Laut einem Bericht auf RP online vom 27.09.2018 sollen laut einer Studie 3677 Minderjährige zwischen 1946 und 2014 von 1670 Angehörigen der katholischen Kirche missbraucht worden sein. Doch die meisten Täter müssen wohl keine strafrechtlichen Konsequenzen fürchten, da viele der Opfer aus Scham und Verletzung schweigen. Zum anderen sind viele Fälle längst verjährt. Die strafrechtliche Verjährungsfrist für sexuellen Kindesmissbrauch liegt bei zehn, in besonders schweren Fällen bei 20 Jahren ab Volljährigkeit des Opfers. Der Missbrauch von minderjährigen Schutzbefohlenen verjährt nach nur fünf Jahren. Der Münsteraner Generalvikar Norbert Köster forderte ein Ende der Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch: „Das wäre aus meiner Sicht ein zentrales Signal an die Opfer, und Tätern wäre klar, dass sie mit ihren Verbrechen nicht davon kommen werden.“ (rp-online.de)

Alleine in Deutschland gab es 3677 Missbrauchsopfer seit 1946 in der katholischen Kirche. Die Dunkelziffer kennt niemand. Was für eine Schande! Erst diese Woche ist bekannt geworden, dass selbst der emeritierte Papst Benedikt der XVI. als Kardinal von Freising von Missbrauchsfällen gewusst und sie vertuscht haben soll.

Was läuft in der katholischen Kirche schief, die sich vollmundig als Nachfolgerin Jesu bezeichnet und deren Selbstverständnis es ist, Leib Christi zu sein? Eines Jesus, der die Kinder als rechtmäßige Erben des Himmelreichs bezeichnet (Da wurden Kindlein zu ihm gebracht, daß er die Hände auf sie legte und betete. Die Jünger aber fuhren sie an. Aber Jesus sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Und legte die Hände auf sie und zog von dannen. Mt 19, 13 – 15, bibeltext.com) und der denen, die sich an Kindern vergehen, schlimmste Konsequenzen androht (Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft werde im Meer, da es am tiefsten ist. Mt 18, 5-6, bibeltext.com).

Sie versteht sich als Nachfolgerin eines Jesus, der selbst ein machtloses Opfer wird und am Kreuz stirbt. Aber Machtlosigkeit und Opfertum ist nicht das Ding der Kirche. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt das. Als Staatskirche gewann sie seit dem 4. Jahrhundert einen enormen Machtzuwachs und wurde zu einer Institution, die sogar Kaiser und Könige ernennen und stürzen konnte. (S. exemplarisch “Gang nach Canossa”, 1076/77)

Ich kann mich noch gut an die hörige und kindliche Verehrung des katholischen Priesters im ländlichen Raum, während meiner Kindheit erinnern. Auch im evangelischen Bereich sprach man mit einem teilweise ehrfürchtigem Unterton von dem “Herrn Pfarrer”. Und diese Verehrung war verknüpft mit allem, was dem Gläubigen heilig war: Die Kirche als Gebäude und als Institution, der Papst, der Priester, die Heiligen – und natürlich Gott und Jesus. Man kann heute vielleicht kaum noch verstehen, was für eine Erschütterung es für die missbrauchte Kinderseele bedeutet hätte, diese Ungeheuerlichkeit des Missbrauchs auszusprechen. Wie tief müssen die Verletzungen sein, dass nur wenige im Erwachsenenalter überhaupt fähig sind, jetzt nach all den Jahren über das Geschehene sprechen zu können!

Unter dem christlichen Deckmantel der Vergebung der Sünden in der Buße, wurden Priester versetzt und konnten ihr Werk als Kinderschänder weitertreiben, anstatt sie zu suspendieren und anzuzeigen. So machten sich diejenigen am sexuellen Missbrauch von Kindern mitschuldig, die davon wussten und geschwiegen haben und den Tätern weiter freie Hand ließen. Es ist für mich absolut unverständlich, wie naiv, dumm und weltfremd, so wenig den Menschen kennend, die Vorgesetzten der Kinderschänder sein konnten, um nicht zu wissen, dass sie es weiter tun werden, trotz einer vielleicht sogar tränenreichen Beichte.

Es wird jetzt viel bei der Ursachensuche davon gesprochen, dass das Zölibat und die Verdrängung der Sexualität in der katholischen Kirche zu den Missbrauchsfällen mit beigetragen hätte. Das sehe ich nicht so, auch wenn ich das Zölibat für unmenschlich halte, denn Sexualität kann kontrolliert und in gute Bahnen, wie z.B. Kreativität und Nächstenliebe umgeleitet werden.

Zum Schluß:
Wie es für einen Mord keine Verjährungsfrist gibt, darf es für den Mord an einer Kinderseele auch keine Verjährungsfrist geben.

Wir müssen Kinder durch Liebe und Akzeptanz zu starken Persönlichkeiten machen, die sich wehren können und keine Angst vor Erwachsenen und kirchlichen Autoritäten haben.

Wir brauchen keine Kirchen, die Macht, Geld und Ansehen über die Bedürfnisse der Menschen stellen, die Demut predigen und selber mächtig sind, sondern Kirchen, die wahrhaftig sind und dem gekreuzigten Christus nachfolgen. (Volker Schunck)

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